10.10.2015, 07:55 Uhr | 1 |

Ratgeber Die 5 größten Kommunikationsfallen für Ingenieure

Um Kommunikation kommt niemand von uns herum. Erst recht nicht im Beruf. Doch wer sich mit anderen Menschen austauscht, läuft immer auch Gefahr, dabei in Fallen zu tappen. Wir haben die 5 häufigsten Kommunikationsfallen für Ingenieure gesammelt.

Kommunikationsfallen
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Wer ein Themengebiet geistig vollkommen durchdrungen hat, muss in Gesprächen darauf achten, dass auch Laien folgen können.

Foto: Felix Kästle/dpa

1. Zu viele Informationen

Ist man seit vielen Jahren Experte auf einem Gebiet oder hat sich als Berufsanfänger über mehrere Wochen in ein Thema eingearbeitet, ist man oft so mit Wissen beladen, dass es schwerfällt, das Wesentliche zu erkennen. Besonders, wenn Sie über Ihr momentanes Arbeitsgebiet sprechen, es z. B. in einer Präsentation vorstellen, ist es wichtig, dass Sie die Menge an Informationen, die Sie der anderen Person oder dem Personenkreis zur Verfügung stellen, überschaubar bleibt. Man wird Ihnen viel eher folgen können, wenn Sie sich auf die wesentlichen Punkte beschränken. Und: Durch diese Reduzierung auf das Wesentliche bleibt Ihnen noch dazu mehr Zeit, die wichtigen Punkte genauer zu erläutern.

2. Die Komplexitätsfalle

Ein häufiger Grund, weshalb Kommunikation bei Ingenieuren scheitert, ist, dass die beiden Kommunikationspartner nicht auf einem Wissens- und Ausbildungsstand sind. Es ist daher wesentlich und unerlässlich, dass Sie Ihre Worte so wählen, dass Ihr Gegenüber Ihnen folgen kann. Vielleicht können Sie den Kenntnisstand der Person grob abschätzen. Versichern Sie sich dennoch im Gespräch durch kurze Fragen immer wieder, ob der Gesprächspartner Ihre Ausführungen nachvollziehen kann oder an bestimmten Punkten weitere – für Laien aufbereitete – Informationen benötigt.

3. Die Betonungsfalle

Besonders häufig kommt es bei Experten in der Kommunikation mit fachfremden Personen zu Unsicherheiten. Diese drücken sich sehr oft in der Sprachmelodie aus. So kommt es insbesondere dann, wenn der Ingenieur glaubt, sein Gegenüber könnte ihm nicht mehr folgen, zu einem Phänomen, das die Betonung betrifft. So neigen viele Experten dazu, ihre Sätze nicht mehr mit einem „gehörten Punkt“, also einer sich zum Satzende senkenden Stimme, zu sprechen. Sie tendieren viel eher dazu, alle Sätze mit hoher Stimme zu beenden. So klingt jeder Satz wie eine Frage und lässt den Sprecher unsicher und vor allem weniger kompetent wirken. Sprechen Sie mit einer Person, bei der Sie nicht sicher sind, ob sie Ihnen folgen kann, fragen Sie lieber nach (s. Punkt 2) und sprechen Sie danach normal weiter. Sie tun so aktiv etwas für Ihr Ansehen im Unternehmen, weil Sie dadurch souveräner und noch dazu umsichtig wirken.

4. Die Konjunktivfalle

Vor allem Frauen neigen in der Kommunikation zum Konjunktiv und zu abschwächenden Formulierungen, die ihre Aussage weniger harsch, aber auch weniger treffend erscheinen lassen. Auch unerfahrenere Kollegen haben die Tendenz, sich mit vorsichtigen Formulierungen weniger leicht angreifbar zu machen. Doch auch erfahrene Führungskräfte machen diesen Fehler immer wieder. Hüten Sie sich jedoch davor! Zum einen werden Ihre Wünsche oder Forderungen durch diese Höflichkeits- und Abschwächungsfloskeln nicht eindeutig kommuniziert („Es wäre gut, wenn wir hier noch xy hinzufügen könnten“ vs. „Wir fügen hier noch xy zu“), zum anderen werden Ihre Aussagen so weniger verbindlich. Wenn Sie einem Kollegen sagen, „es wäre gut, wenn Sie das bis morgen erledigen könnten“, sagen Sie exakt dies: Es wäre gut, wenn es fertig wäre. Doch dass es zwingend nötig ist, sagen Sie nicht. Formulieren Sie daher um: „Erledigen Sie das (bitte) bis morgen.“ So ist die Aussage unmissverständlich und Sie werden im Nachhinein keine Diskussionen darüber führen müssen, warum die Aufgabe nicht erledigt wurde.

5. Die Pausenfalle

Diese Falle ist besonders hervorzuheben, weil sie zu denen gehört, die Sie sich nicht selbst stellen, sondern die jemand anderes für Sie auslegt. Die Pausenfalle ist ein beliebtes Mittel unter Vorgesetzten. Dabei setzen diese ein Schweigen ganz bewusst ein, um von Ihnen mehr Informationen zu bekommen, als Sie eigentlich preisgeben wollen. Und dabei ist sie besonders leicht gestellt: Der Vorgesetzte fragt Sie etwas, wie z. B. „Wie läuft denn das Projekt A?“ Sie wissen oder ahnen, dass er von dem einen oder anderen Problem weiß, wollen aber das Positive herausstellen und antworten daher nur kurz mit „Es läuft alles nach Plan. Ich bin zuversichtlich, dass wir alles fristgerecht abliefern.“ Natürlich erwarten Sie nun ein Lob oder eine andere Aussage Ihres Chefs. Doch der sagt nichts, schaut sie an oder im Raum herum. Und genau das ist die Falle! Viele Menschen wollen die ungewohnte Stille durchbrechen und fügen dann Informationen an, die sie lieber nicht gesagt hätten. Davor sollten Sie sich hüten. Durchschauen Sie lieber das Spiel und halten Sie die Stille aus. Wenn Ihr Chef etwas Konkretes von Ihnen wissen will, muss er schon danach fragen.

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Von Klara Papp
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kommentare
01.10.2015, 14:05 Uhr PolitKoloskop
Warum gelten diese "Fallen" nur für Ingenieure?

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