16.05.2013, 09:30 Uhr | 0 |

Professorinnen Hochschulen feilen am Frauenprofil

Die Quote der Ingenieurinnen am beruflichen Nachwuchs steigt. Eine neue Studie vergleicht den aktuellen Frauenanteil an allen Hochschulen. Die großen Technischen Universitäten schneiden besonders gut ab.

Kampagnenmotiv Drive ING Award von Volkswagen
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Kampagnenmotiv 2012: Volkswagen zeichnet alle zwei Jahre mit dem Woman DrivING Award hervorragende Semester- oder Abschlussarbeiten von  Studentinnen und Absolventinnen aus. 2014 soll es zum fünften Mal soweit sein. 

Foto: Volkswagen

So viele Studienanfängerinnen gab es in den Ingenieurdisziplinen noch nie: 2012 waren es annähernd 25 000, ein knappes Viertel aller Starter. Trotzdem ist die Zahl vergleichsweise niedrig. Alle Fächer an Universitäten und Fachhochschulen auf einen Blick, haben sich bundesweit genauso viel Frauen wie Männer neu eingeschrieben. Der große Unterschied zeigt sich auch bei den hauptamtlichen Professoren: Alles in allem ist heute jeder fünfte Lehrstuhl mit einer Frau besetzt, in den Ingenieurfächern aber laut Statistischem Bundesamt nicht mal jede zehnte Stelle.

Die Gleichstellung der Geschlechter in der akademischen Arena gehört zu den Dienstaufgaben der Hochschulen. Sie haben dafür durchweg Beauftragte oder wie an den Technischen Universitäten in München, Berlin und Aachen sogar eigene Lehrstühle.

Auf eine Ingenieurin kommen sechs männliche Kollegen

Nicht zuletzt finanzielle Förderprogramme von Bund und Ländern und von der Wirtschaft (wie "komm-mach-MINT") zeigen Wirkung: Seit Mitte des vorigen Jahrzehnts stieg die Zahl der weiblichen Ingenieure um 30 % auf rund 270 000, die Zahl der männlichen Kollegen aber nicht einmal halb so stark.

Trotzdem: Immer noch kommen auf eine Ingenieurin sechs männliche Kollegen. Die absoluten Zahlen können dazu verleiten, sich auf dem wachsenden Frauenanteil auszuruhen.

Das will das "Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung", ein Netzwerk mit Unterstützung des Bundesbildungsministeriums, durch sein "Hochschulranking nach Gleichstellungsaspekten 2013" (CEWS-Studie) verhindern. Es ist die sechste Ausgabe seit zehn Jahren. Erfasst und verglichen werden mehr als 300 Hochschulen, darunter gut 60 Universitäten und rund 140 Fachhochschulen. Dabei beruht das Ranking auf "Indikatoren", Kennzahlen, die allemal vom Studentinnenanteil ausgehen.

Technische Universitäten Berlin, München und Aachen im oberen Viertel beim Ranking

Ein Beispiel ist die Bewertung der Frauenquote unter den Professoren. Wenn diese prozentual halb so hoch ist wie unter den weiblichen Studierenden, lautet der Indikator 0,5. Er ist 1,0, wenn beide Gruppen gleich stark vertreten sind. Nach dem Muster wird ebenfalls die Geschlechtergerechtigkeit im gesamten wissenschaftlichen Personal oder unter den Doktoranden ermittelt. Diese Methode soll verhindern, "dass Hochschulen mit einem technischen Fächerprofil" im Ranking von vornherein hinter eher kultur- oder sozialwissenschaftlich ausgerichteten Mitbewerbern mit notorisch höherem Frauenanteil landen.

Nach dem Indikatorenmodell können sich die Technischen Universitäten (TU) von Berlin, München und Aachen mit ihren hauptberuflichen Wissenschaftlerinnen und Doktorandinnen im oberen Viertel aller Universitäten platzieren. Das ist auch so beim wachsenden Professorinnen-Anteil seit 2006.

Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder wirkt

Diese Steigerungsrate ist nicht zuletzt den Anstrengungen der Hochschulen für die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder zu verdanken. Denn bei diesem Wettbewerb war die Frauenförderung ein wesentliches Kriterium. Im gesonderten Fachhochschul-Ranking ragt vor allem die Leipziger Hochschule für Telekommunikation heraus, sowohl beim aktuellen wissenschaftlichen Personal als auch bei der seit Jahren anhaltenden Steigerung im Professorinnen-Trend.

Technikorientierte Universitäten und Fachhochschulen, die im Ranking nicht vorne liegen, mag es immerhin trösten, dass die ausschlaggebenden Indikatoren der CEWS-Untersuchung sich auf die jeweilige Hochschule insgesamt beziehen und nicht auf unterschiedliche Fachbereiche. So kann sich das Frauenprofil einer TU ja schon dadurch verbessern, dass sie auch nicht technische Lehramtsstudiengänge anbietet, die besonders für Frauen als Lehrende wie Lernende attraktiv sind. Gleiches gilt für Fachhochschulen, die neben Technik etwa Soziale Arbeit im Sortiment haben.

Aber nichtsdestoweniger ist das Gleichstellungsranking eine Herausforderung für alle Lernorte, noch stärker an ihrem Frauenprofil zu feilen. 

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Von Hermann Horstkotte | Präsentiert von VDI Logo
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