20.06.2014, 13:30 Uhr | 0 |

Bilanz zu Bologna HRK-Vize Burckhart: Wir wollen keine Roboter ausbilden

Eine sehr durchwachsene Bilanz von 15 Jahren Bologna hat der Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Holger Burckhart, in einem Interview mit den VDI nachrichten gezogen. Darin kritisiert Burckhart, dass das Studium teilweise zu sehr auf die Bedürfnisse von Unternehmen zugeschnitten sei und es dem Bachelor-Abschluss weiterhin an Anerkennung mangele. Zudem müsse die Finanzierung angesichts hoher Studierendenzahlen verbessert werden, um ein gutes Studium zu ermöglichen.

Hörsaal der Technischen Universität in Ilmenau (Thüringen)
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Studenten in Deutschland: Laut Holger Burckhart, Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), hat Bologna das Hauptziel nicht erreicht, nämlich den einfachen Wechsel innerhalb Europas.

Foto: dpa/Michael Reichel

Vor allem das Hauptziel habe Bologna nicht erreicht, nämlich den einfachen Wechsel innerhalb Europas. „Wir haben die übergreifenden Bildungsideen aus dem Auge verloren: die von Bologna angestrebte Mobilität, das selbstverantwortliche Lernen, den Freiraum zum Denken und das Reflektieren“, bemängelt Burckhart, der auch Rektor der Universität Siegen ist. 

Studium teilweise viel zu sehr den Interessen der Unternehmen angepasst

Stattdessen habe man das Studium teilweise viel zu sehr den Interessen der Unternehmen angepasst. Es sei zwar einerseits gut, dass die Studierenden früher an die Praxis herangeführt werden. „Das ist positiv zu bewerten, weil die Studierenden viel ernster genommen werden als je zuvor.“ Andererseits ergebe sich daraus eine größere Marktanpassung. „Wir müssen aufpassen, kritische Distanz zu Forderungen und Begehrlichkeiten der Industrie zu bewahren. Das „Abrichten“ auf einen Arbeitsplatz kann nicht Ziel des Studiums sein. Wir wollen keine Roboter produzieren.“
Nicht zufrieden ist Burckhart mit dem mangelnden Ansehen des Bachelor-Abschlusses. „Es gibt tatsächlich immer noch keine breite Akzeptanz des Bachelors, kein klares Bild seiner Wertigkeit“, so der HRK-Vizepräsident. „Die Öffentlichkeit aber braucht klare Berufsbilder. Das Bekenntnis der Unternehmen, mit dem Bachelor „arbeitsmarktfähig“ zu sein, reicht nicht.“

Hochschulen müssen mehr Geld bekommen

Nicht umhin kommt Deutschland, die Hochschulen finanziell besser auszustatten. „Die Hochschulen haben ihr Fassungsvermögen bereits überschritten. Wir müssten die Studienplatzkapazitäten um 20 % bis 30 % herunterfahren, wenn wir auf Basis staatlicher Grundfinanzierung gewissenhaft handeln wollen“, so Burckhart. „Bologna setzt auf den Studierendenzahlen von 2002 auf und nicht auf den weit höheren Zahlen von 2014. Deshalb ist Bologna zurzeit ein Sparmodell.“

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Von Axel Mörer-Funk
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