07.06.2013, 10:01 Uhr | 0 |

Studium Energiewende auf dem Lehrplan

Die meisten Angebote für erneuerbare Energien machen Fachhochschulen. Die Themen-Palette reicht von der Sonne bis zur Erdwärme. Ob Präsenzstudium vor Ort oder berufsbegleitendes Fernstudium, viele Wege führen zum Erfolg.

"Im Studiengang, Erneuerbare Energien´ auf der Grundlage des Maschinenbaus qualifiziere ich mich praktisch doppelt und habe damit beste Berufsaussichten." Das meint Michael von Kannen, angehender Ingenieur an der Fachhochschule Köln. Und wie er denken viele: Auf hundert Studienplätze kommen neunhundert Bewerber. Die meisten Studierenden bringen bereits eine Berufsausbildung mit. So ist von Kannen gelernter Mechatroniker. Wer "nur" (Fach-)Abitur hat, muss zusätzlich ein mehrmonatiges Praktikum nachweisen.

Bachelor-Abschluss

Das siebensemestrige Studium mit Bachelor-Abschluss beginnt ganz herkömmlich mit Konstruieren, also technischem Zeichnen, Mechanik und Ingenieurinformatik. Das zweite Studienjahr schließt mit dem Praxissemester bei einem Fertigungsunternehmen oder einem Energieversorger ab. Dann folgen vertiefende Studien und Übungen zur Energiegewinnung aus Sonne, Wind und Biomasse. Und weil das alles immer auch eine Frage der Kosten ist, konzentriert sich das letzte Studienjahr zugleich auf Leitungs- und Verteilnetze sowie betriebswirtschaftliches Rechnungswesen überhaupt. Das breit angelegte Studium befähigt vor allem zum Projektmanagement, für die Planung, Steuerung und Kontrolle von Versorgungsanlagen.

"Unsere fertigen Bachelor finden ihren Arbeitsplatz etwa bei Stadtwerken oder anderen kommunalen Versorgungsunternehmen", sagt der Kölner FH-Professor Ulf Blieske. Er ist Elektroingenieur und Doktor der Physik, seine Kollegin und Fachfrau für Biogas, Christiane Rieker, promovierte Biologin. Dementsprechend ist ein weiterführendes Masterstudium. "EE Fachrichtung Technologie" auch für Seiteneinsteiger aus den Naturwissenschaften offen. Hier ist der Frauenanteil mit 20 % aller Studierenden vier Mal höher als im Bachelorstudium. Alternativ bietet die FH auch einen Master in mehr kaufmännisch ausgeprägtem "EE Management" für den deutschen Markt wie auch Entwicklungsländer. In Zusammenarbeit mit der Uni Konstanz können Kölner FH-Absolventen sogar promovieren.

Bundesweit Hunderte Studiengänge für Erneuerbare Energien

Bundesweit gibt es Hunderte Studiengänge für EE, im Zeichen der Energiewende mehr denn je. Sie bestehen hauptsächlich an Fachhochschulen, nicht zuletzt auch in den neuen Bundesländern. Der Experte Blieske verweist namentlich auf die FH Nordhausen in Thüringen. Mancherorts ist auch eine "duale Ausbildung" etwa zum Anlagenmechaniker mit gleichzeitigem Bachelor-Abschluss möglich, hier und da auch ein berufsbegleitendes Fernstudium. Nicht immer ist das EE-Programm so breit ausgelegt wie in Köln, sondern je nachdem spezifisch etwa auf Solartechnik oder Biogaserzeugung oder Erdwärme ausgerichtet. Bei der Studienwahl kann und muss sich also jeder entscheiden, ob er später im Beruf lieber als EE-Generalist oder als Spezialist arbeiten will. Im Übrigen kommt heute, unter dem Vorzeichen des Umweltschutzes, kaum ein Studienplan für Maschinenbau-, Elektro- oder Bauingenieure ohne ein paar Lerneinheiten (Module) EE aus.

Den Siegeszug der Zukunftstechnologien können auch augenblickliche Turbulenzen auf dem deutschen Arbeitsmarkt nicht aufhalten, stellt Hochschullehrer Blieske klar: Bei hierzulande jüngst aufgetretenen oder befürchteten Firmeninsolvenzen handelt es sich um die Fertigung von Solarmodulen. Nichtsdestoweniger ist das deutsche Know-how für EE nach wie vor international stark nachgefragt.

Englischsprachige Masterstudiengänge

Besonders überzeugende Beispiele für die Internationalität sind englischsprachige Master-Studiengänge an den Universitäten Flensburg, Oldenburg und Kassel, die sich hauptsächlich auf EE in Entwicklungsländern beziehen. Der Deutsche Akademische Austauschdienst unterstützt die Angebote mit Stipendien. Das niedersächsische Programm läuft schon seit einem Vierteljahrhundert. Seither haben sich dort mehr als dreihundert Gäste aus achtzig Ländern weiterqualifiziert. Viele übernehmen Führungspositionen in ihrer Heimat. "Ohne die Oldenburger Fortbildung würde ich in meiner Position nicht wirksam arbeiten können", sagt Wisdom Ahiataku-Togobo, zuständig für Renewables im Energieministerium von Ghana.

Das Kasseler Master-Programm (REMENA) dient der deutsch-arabischen Entwicklungs- und Wirtschaftspartnerschaft. Die Teilnehmer von beiden Seiten lernen gemeinsam in der ägyptischen Hauptstadt Kairo und in Hessen. Einer von ihnen ist Thomas Graunke, Bachelor einer dualen Hochschule in Baden-Württemberg und zudem einer englischen Uni. Er sagt. "Nach drei Jahren Berufserfahrung in der Windenergie strebe ich jetzt den Kasseler Master an, um dann damit ins internationale Geschäft zu gehen." Das ist übrigens auch das Berufsziel des Kölner Ingenieurstudenten von Kannen. 

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Von Hermann Horstkotte | Präsentiert von VDI Logo
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