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17.08.2016, 12:07 Uhr | 0 |

113 Teams am Start Deutsche Ingenieure siegen bei Formula Student auf Hockenheimring

So gut lief es selten für die deutschen Teams bei der Formula Student Germany: Siege in beiden Rennklassen und zwei weitere Podestplätze räumten sie mit ihren selbstgebauten Boliden auf dem Hockenheimring ab. Dabei ging es wie immer nicht bloß um Schnelligkeit, sondern um ein Gesamtkonzept inklusive Finanzierung.

Fünf Tage Schrauben, Polieren, Justieren und Diskutieren: Mehr als 3.000 Studierende in 113 Teams aus 25 Ländern tun alles, um mit ihren Rennwagen ganz vorne zu sein. Nur: Schnell sein reicht nicht bei der Formula Student Germany. In dem Wettbewerb für Nachwuchsingenieure gibt es acht Kategorien, und die meisten Punkte sind für konstante Leistung über eine längere Strecke zu holen. Aber auch Finanzplanung, Design und Vermarktungsstrategien gehören dazu.

Bei den klassischen Verbrennungsmotoren gewann in diesem Jahr am Hockenheimring das Team der TU München vor der Uni Stuttgart und dem Joanneum Racing Graz. Im Wettbewerb der Elektrofahrzeuge lag die Mannschaft vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) vor den Siegern des Rennens im Vorjahr, der TU Delft und dem „GreenTeam“ der Uni Stuttgart.

Verbrauch wird hoch bewertet

Die Münchener setzten sich unter 73 Teams durch. Die Aufgabe für alle: Einen einsitzigen Formel-Rennwagen bauen, der den Ansprüchen eines ehrgeizigen Hobby-Rennfahrers genügen soll. Dabei müssen die Autos beispielsweise die Disziplin „Skid Pad“ meistern: Auf einem Kurs in Form einer Acht sollen die Teilnehmer hier demonstrieren, wie viel seitliche Beschleunigung sie erzeugen können.

Beim Autocross dagegen wird ein kurzer Rundkurs mit diversen Kurven absolviert, hier geht es vor allem um das Handling des Fahrzeugs. Im Beschleunigungstest geht es darum, wie schnell das Auto auf 75 m ist.

Zusammengerechnet können in diesen Kategorien 250 Punkte erreicht werden. Mit Abstand die wichtigste Disziplin ist deshalb die Dauerprüfung, in der allein bis zu 325 Punkte möglich sind. Hier müssen die Fahrzeuge auf einer Strecke von 22 km ihre Zuverlässigkeit beweisen.

Außerdem geht es bei der „Endurance“ um den Verbrauch. In diesem Wettbewerb gab es vor einigen Jahren noch maximal 50 Punkte, heute sind es 100 – damit wollen die Veranstalter der wachsenden Bedeutung der Energieeffizienz Rechnung tragen. Und die Regeln sind hart: Wer auf der Langstrecke mehr als 5,72 l verbrennt, der bekommt genau null Punkte.

KIT-Team geführt wie ein Unternehmen

Die Formula Student soll dem Nachwuchs die Chance geben, praktische Erfahrungen zu sammeln – und das auf einem besonders spannenden Feld. Für die Autoindustrie ihrerseits ist der Wettbewerb eine Chance zur Talentsichtung, und deshalb unterstützen viele Hersteller und Zulieferer die Veranstaltung, die seit 2006 von einem Trägerverein unter Schirmherrschaft des VDI ausgerichtet wird.

Wieviel Zeit und Aufwand die Teilnehmer hier investieren, zeigt das Beispiel des KIT-Teams, das wie ein Unternehmen organisiert ist: Knapp 80 Mitarbeiter aus verschiedensten Fachrichtungen von Maschinenbau über Informatik bis zu BWL und Physik werden von einem vierköpfigen Vorstand geführt, der auch für die Finanzen verantwortlich ist. Mehrere Fachabteilungen stimmen sich in wöchentlichen Sitzungen ab. „Die professionelle Organisation ist unsere Grundlage, um jedes Jahr mit sehr begrenzten Mitteln zwei Rennboliden in weniger als sechs Monaten zu konzipieren und zu bauen“, sagt ein Teammitglied.

Ab 2017 Wettbewerb für autonome Autos

Auch die technologische Entwicklung soll sich in der Formula Student natürlich widerspiegeln. Deshalb gibt es inzwischen die eigene Konkurrenz für reine Elektroautos, und deshalb kommt ab dem nächsten Jahr noch eine neue Kategorie hinzu: die autonomen Fahrzeuge. Für Entwurf, Planung, Finanzierung, Bau und Tests bis zur Rennreife bleibt wieder mal nur ein knappes Jahr Zeit. Damit das überhaupt realistisch ist, dürfen die Teams als Grundlage ein Auto aus den Jahren 2014 bis 2016 nutzen.

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Von Werner Grosch
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