19.04.2013, 10:59 Uhr | 0 |

Kongress WoMenPower: Mit Humor und Know-how Karriere fördern

Zum 10. Mal fand auf der Hannovermesse der jährliche Kongress "WoMenPower" statt. Rund 1300 Frauen und Männer nahmen daran teil. Jürgen Klöckner vom Vorstand der Deutschen Messe betonte, es handele sich um den "erfolgreichsten Karrierekongress, den es in Deutschland gibt". Zum Jubiläum verlieh die Messe erstmals den mit 5000 € dotierten "Engineer Powerwoman 2013".

Der Fachkongress, der in diesem Jahr unter dem Motto stand "Ein Tag. Starke Impulse. Neue Netzwerke.", bot rund um arbeitspolitische Themen und Trends wie Work-Life-Balance, Beruf und Karriere, flexible Arbeitszeiten, Diversität, Berufsperspektiven für Ingenieurinnen und Ingenieure und viele andere Aspekte 35 Workshops. Zudem nutzten so viele Organisationen, Unternehmen und Institutionen wie nie zuvor die Möglichkeit, sich den Fragen von potenziellen Bewerberinnen und Interessierten zu stellen: 79, eine Rekordzahl, wie Klöckner betonte.

Bevor es in die 35 Workshops und Seminare zu den Themen Berufseinstieg/Wiedereinstieg, Führung und Kommunikation, Beruf/Karriere/Aufstieg und Vielfalt der Talente ging, gab es ein Plenum mit zwei Impulsvorträgen und einer anschließenden Podiumsdiskussion, die, wie bereits in den Vorjahren, gewohnt humorvoll und schlagfertig von der bekannten Trainerin und Autorin Sabine Asgodom moderiert wurde, die auch im Kongressbeirat ist.

Ebenfalls humorvoll und nicht ohne die ein oder andere ironische Spitze hielt Elke Strathmann, Vorstandsmitglied der Continental AG, ihre Keynote zum Thema "Diversity – Die Continental-Sicht der Dinge". Sie berichtete über den Weg des Konzerns zu einem größeren Frauenanteil bei Führungskräften. "Eine höhere Geschlechter-Vielfalt in Vorständen und Geschäftsführungen führt zu besseren Betriebsergebnissen", erklärte Strathmann. Dies hätten zahlreiche Studien bewiesen. Eine zentrale Botschaft ihres Vortrags war es, dass die Unterschiede zwischen Frauen und Männern nicht abgeschafft, sondern gemanagt werden müssten.

So verhielten sich Frauen und Männer nicht nur anders in Vorstellungsgesprächen, auch die typischen Karriereverläufe unterschieden sich. Während Männer mit Mitte 30 durchstarteten, komme die Karriere von Frauen familienbedingt oft erst deutlich später in Fahrt. Während es in ihrer Generation sicher eher galt, dass sich Frauen den Unternehmen anpassten, erwarte die zweite Generation, dass sich die Organisationen den Frauen anpassen.

Im Anschluss legte Klaus F. Zimmermann, Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit, dar, wieso Familienpolitik in Zukunft ein immer wichtigerer Teil der unternehmerischen Wettbewerbspolitik sein werde. "Wir verschenken Potenziale", sagte er zu dem Umstand, dass gut ausgebildete Frauen oft nicht die Karrieren machen, die für sie möglich wären. Als Gründe dafür nannte er den Mangel an Kinderbetreuung, unflexible Arbeitszeiten, das Ehegatten-Splitting und die ungleiche Bezahlung trotz gleicher Qualifikation. An diesen Stellschrauben müsse gedreht werden, wenn Frauen im Erwerbsleben eine größere Rolle spielen sollen. Zimmermann zeigte sich optimistisch, dass es auch so kommen wird. Schließlich werde der demografische Wandel unweigerlich zu einem Mangel an Fachkräften führen, der wiederum durch Frauen gedeckt werde.

Den demografischen Wandel möchte Viviane Reding, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission und EU-Kommissarin für Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft, nicht abwarten. In einer Videobotschaft aus Brüssel warb sie für ihren Vorstoß einer Quote in börsennotierten Aufsichtsräten: "Ich bin kein Fan von Quoten, aber ich bin ein Fan der Ergebnisse, die Quoten bringen."

Die Quote solle die enorme "Verschwendung von Toptalenten beenden." Die Quote helfe, eine kritische Menge an Frauen in die Topjobs zu bringen. Zudem sei es wichtig, dass die Unternehmen familienfreundlicher werden und das Ende der Anwesenheitskultur einläuten.

Zum Abschluss des gemeinsamen Teils trafen sich die persönlich anwesenden Keynote-Speaker mit Alf Henryk Wulf, Vorsitzender des Vorstands bei Alstom Deutschland, Martina Schraudner, Professorin an der TU Berlin und Frank Hohenadel, Senior Vice President Group Performance Development bei der Deutschen Telekom, auf dem Podium, um über das Thema "Internet der Dinge – Innovationsdynamik für eine neue Arbeitswelt" zu diskutieren. Frank Hohenadel betonte, dass in seinem Unternehmen vor allem Menschen mit starken Skills in Kommunikation, Netzwerken und mit einer Technikaffinität gute Chancen haben.

Alf Henryk Wulf erinnerte sich, dass in den 80er-Jahren nicht absehbar war, dass das Internet eine solche Durchdringung haben würde. Es sei aber klar gewesen, dass man durch Automatisierung und durch Softwaresteuerung sehr viel mehr würde machen können, als das klassischerweise in der Technik üblich war. "Ich sehe da im Wachstum keine Grenzen gesetzt. Die Frage ist mehr, was bringt es dem Menschen, was kann es an Effizienz bringen, um auch Neues zu entwickeln."

Martina Schraudner knüpfte hier an und betonte, dass sich durch das Internet und die dadurch gewonnene Flexibilität enorme Vorteile für Arbeitnehmerinnen und Unternehmerinnen entwickelten, die noch gar nicht richtig angekommen seien. Hier habe Deutschland einen Nachholbedarf. Schraudner warnte Mütter davor, angesichts der rasanten technologischen Entwicklungen drei Jahre aus dem Beruf auszusteigen. Auch die Unternehmen seien aufgerufen, Müttern Lebensphasen-spezifische Arbeitsmöglichkeiten zu bieten.

In diesem Jahr wurde auf dem Kongress der Preis "Engineer Powerwoman 2013" verliehen. Das Rennen machte die 41-jährige Diplom-Ingenieurin Nicole Kreie. Sie ist Leiterin des internationalen Projektservices bei Wago in Minden.  CLAUDIA BURGER

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