14.03.2014, 15:39 Uhr | 0 |

Rente mit 63 entideologisieren Vassiliadis fordert staatliche Reform von Leiharbeit und Werkverträgen

Eine Reform von Leiharbeit und Werkverträgen hat der Chef der Gewerkschaft IG BCE, Michael Vassiliadis, gefordert. Die Tarifparteien könnten den Missbrauch von Werkverträgen mit dem Tarifrecht nicht lösen, sagte Vassiliadis den VDI nachrichten. Zugleich verteidigt der Gewerkschaftschef die Rente mit 63.

Baustelle Stadtschloss Berlin
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Baustelle Stadtschloss Berlin: Die abschlagsfreie Rente ab 63 hat der Chef der IG BCE,  Michael Vassiliadis, verteidigt. In vielen Branchen wie am Bau würden viele Arbeiter ein Rentenalter von 67 gesund nicht mehr erreichen.

Foto: dpa

„Das ist Aufgabe des Gesetzgebers. Eine Gewerkschaft kann das nicht in einem Tarifvertrag regeln, weil die Beschäftigten mit Werkvertrag in der Regel aus ganz unterschiedlichen Branchen kommen“, so der Gewerkschafter. „Deshalb muss der Gesetzgeber den Rahmen schaffen.“ Dabei fordert Vassiliadis „ein Mitbestimmungsrecht für Betriebsräte bei der Vergabe von Werkverträgen“.

Leiharbeit und Werkverträge sind sinnvoll

Grundsätzlich will Vassiliadis aber Leiharbeit und Werkverträge nicht abschaffen. „Davon halte ich nichts. Leiharbeit hat im zivilisierten Rahmen ihre Berechtigung, um Auftragsspitzen abzubauen. In vernünftigen Konditionen ist sie in modernen Volkswirtschaften notwendig.“ Das gelte auch für Werkverträge. „Echte Werkverträge haben ihre Berechtigung. Wenn sie aber nur zum Einsatz kommen, um Tarifverträge zu unterlaufen, dann sind das Scheinwerkverträge. Wer für Werkverträge ist, muss auch dafür sorgen, dass Chancen und Risiken dieser Arbeitsform adäquat verteilt sind.“

Um den Missbrauch einzudämmen, müsse der Staat Mindestanforderungen formulieren. „Es müsste geklärt werden, welche Mindestanforderungen an Werkverträge zu stellen sind, so dass deutlich wird, dass es sich nicht um Scheinwerkverträge handelt“, sagte Vassiliadis in den VDI nachrichten. „Gerade bei Werkverträgen mit einzelnen Personen muss dafür gesorgt werden, dass nicht Marktmacht von Seiten des Unternehmens ausgeübt wird.“

Der Chef der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Michael Vassiliadis, blickt am Montag (05.10.2009) in der Hauptverwaltung der Gewerkschaft in Hannover in die Kamera des Fotografen.
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Der Chef der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Michael Vassiliadis, hat Werkverträge und Leiharbeit verteidigt, fordert aber gesetzliche Mindeststandards.

Foto: dpa

Vassiliadis verteidigt die Rente mit 63

Die umstrittene Rente mit 63 hat der Chef der Gewerkschaft IG BCE, Michael Vassiliadis, als richtig verteidigt. Diese Reform koste weniger als die Mütterrente und sei angesichts der körperlichen Belastung in der Industrie richtig. „Die geplante Besserstellung der Erziehungszeiten, die sogenannte Mütterrente, ist deutlich teurer als die Rente mit 63“, sagte Vassiliadis. „Dass sie aus Versicherungsbeiträgen und nicht aus Steuern bezahlt wird, ist ein Skandal. Es gibt schließlich keinen Zusammenhang zwischen nicht gezahlten Beiträgen und Erziehungszeiten.“

Dagegen sei es richtig, Arbeitnehmern nach 45 Beitragsjahren zu ermöglichen, ohne Abschlag in Rente zu gehen. „Wer mit 16 seine Ausbildung zum Chemikanten macht, hat drei Jahre lang Tagschicht. Danach beginnt die vollkontinuierliche Wechselschicht an sieben Tage in der Woche, 365 Tage im Jahr mit Freischichten – vom 19. bis zum 67. Lebensjahr. Das ist die Realität“, so Vassiliadis. „Diese Generation hat wenig Aussicht, bis 67 gesund zu arbeiten. 45 Jahre sind genug! Von daher sollten wir die Rente mit 63 entideologisieren.“

Das Interview finden Sie im Wortlaut in der digitalen und Printausgabe der neuen VDI nachrichten.

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Von Axel Mörer-Funk
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