15.04.2013, 10:45 Uhr | 0 |

Absolventenzahlen steigen VDI sieht Arbeitsmarktzahlen vorsichtig optimistisch

Die Arbeitsmarktzahlen für Ingenieure in Deutschland deuten auf eine Entspannung hin: Vakante Ingenieurstellen können wieder schneller besetzt werden als in den letzten Jahren, die Absolventenzahlen steigen. Ein Grund zum Jubeln, könnte man meinen.

Präsentieren seit elf Jahren die Arbeitsmarktzahlen für Ingenieure: VDI-Direktor Willi Fuchs und IW-Köln-Chef Hans-Peter Klös.
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Eine Konstante: VDI-Direktor Willi Fuchs (li.) und IW-Köln-Chef Hans-Peter Klös präsentieren seit elf Jahren die Abrbeitsmarktzahlen für Ingenieure in Deutschland.

Foto: Zillmann

"Die Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt für Ingenieure hat sich im letzten Jahr entspannt", sagte VDI-Direktor Willi Fuchs auf der Hannover Messe 2013 bei der Präsentation der aktuellen Beschäftigungszahlen von Ingenieuren in Deutschland.

Damit brach er mit einer Tradition: Die letzten zehn Jahre hatte der VDI kontinuierlich gegenüber Politikern, den Medien und der Öffentlichkeit vor einem dramatisch steigenden Fachkräftemangel in den ingenieurwissenschaftlichen Berufen gewarnt. Nun endlich, eine Erfolgsgeschichte.

Aktuell 56 000 Berufseinsteiger mit ingenieurwissenschaftlichem Studium

"Die Absolventenzahlen ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge an deutschen Hochschulen sind aktuell auf über 56 000 gestiegen und scheinen kurzfristig stabil zu bleiben", sagte Fuchs. Die Beharrlichkeit des VDI habe sich gelohnt, wenngleich die Nachfrage insbesondere in den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik und Automobilbau nach wie vor höher sei als das Arbeitskräfteangebot.

Ein bisschen Optimismus konnte sich der VDI-Direktor leisten angesichts der aktuellen Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln. Im Jahr 2011 absolvierten 56 825 Personen einen ingenieurwissenschaftlichen Studiengang. Zum Vergleich: 2006 waren es noch 35 527. Die Absolventenzahlen stiegen in den vergangenen fünf Jahren um rund 60 %.

Der "negative Einfluss des Ingenieur-Fachkräfteengpasses auf Innovationen und Wirtschaftswachstum in Deutschland" sollte damit deutlich nachlassen. Fuchs warnte davor, die Absolventen als bereitstehende Fachkräfte für den Ingenieur-Arbeitsmarkt anzusehen. Nicht jeder Absolvent eines ingenieurwissenschaftlichen Studiengangs findet den Weg in einen Ingenieurberuf. Eine beachtliche Zahl nutzt das technische Wissen in anderen Positionen: als Geschäftsführer, Unternehmensberater oder Wissenschaftler.

Dennoch entscheiden sich seit einigen Jahren immer mehr junge Menschen für einen ingenieurwissenschaftlichen Werdegang. Es ist nicht ersichtlich, warum diese Begeisterung in den kommenden Jahren wieder einbrechen sollte.

Ein Ingenieurstudium rechnet sich

Aus wirtschaftlicher Sicht spricht einiges dafür, dass der Trend sich fortsetzt. Ingenieure haben im Vergleich zu anderen Berufsgruppen gute Verdienstaussichten. Ein Jahr nach ihrem Studienabschluss erzielten Elektrotechnik- und Wirtschaftsingenieure bereits ein Bruttojahreseinkommen von mehr als 42 000 €. Im Durchschnitt verdienten Ingenieure laut dem WSI-Ingenieurspiegel von 2011 rund 4400 € brutto im Monat. Die Botschaft ist klar: Ein Ingenieurstudium rechnet sich.

Allerdings verdienten Ingenieurinnen im Jahr 2011 im Schnitt 17 % weniger als ihre männlichen Kollegen. Das sei kein Indiz für Diskriminierung, machte Hans-Peter Klös, Geschäftsführer des IW-Köln, deutlich. "Weibliche Ingenieure arbeiten häufiger in kleinen Betrieben, Dienstleistungsbranchen und lohnschwachen Regionen und verfügen infolge ihrer jüngeren Altersstruktur auch über eine geringere Berufserfahrung."

Ungeachtet der Branchen haben Ingenieure laut der IW-Köln-Studie einen erheblichen Anteil an der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung in Deutschland. Ein einzelner Ingenieur trägt im Durchschnitt 121 987 € im Jahr zur Brutto-Wertschöpfung bei. "Im vergangenen Jahr", so Fuchs, "haben die 1,62 Mio. erwerbstätigen Ingenieure einen Wertschöpfungsbeitrag im Gegenwert von zwei Dritteln der Bundesausgaben im Haushaltsjahr 2013 erarbeitet."

Die aktuelle Ingenieurarbeitsmarktstudie beschreibt aber nicht nur die wirtschaftliche Relevanz von Ingenieuren, sie sagt auch etwas über die Menschen in dieser Branche aus.

Vor allem Anzahl weiblicher und ausländischer Ingenieure steigt

"Ingenieure in Deutschland sind zunehmend weiblich und international", erklärte Klös. Von 2005 bis 2010 stieg die Zahl weiblicher Ingenieure von 205 000 um 30 % auf 267 000, bei ihren männlichen Kollegen betrug die Veränderung gerade einmal 13 %.

Im gleichen Zeitraum nahm auch die Anzahl der erwerbstätigen Ingenieure mit mindestens einer ausländischen Staatsangehörigkeit zu, wie das IW-Köln erhob. Eine Ursache sieht VDI-Direktor Fuchs in der "Anpassung des Zuwanderungsgesetzes für qualifizierte Fachkräfte".

Die erleichterte Anerkennung von Bildungsabschlüssen führte die letzten Jahre zu einem überproportionalen Zuzug von Ingenieuren aus Europa. "Dabei sollte man nicht nur die absolute Zahl der zugewanderten Fachkräfte betrachten, sondern die damit einhergehenden Effekte", sagte Fuchs.

Soll heißen: Die Zuwanderung ist nur ein Anfang. Sie nimmt den Unternehmern, die händeringend Experten suchen, keineswegs den Druck von den Schultern.

"Im Februar dieses Jahres konnten nach wie vor 69 900 offene Stellen nicht besetzt werden", sagte Fuchs. Und auch den demografischen Wandel dürfe man nicht aus den Augen verlieren. Schade eigentlich, die positiven Nachrichten zum Ingenieurarbeitsmarkt in Deutschland, zu der Wertschöpfung der Ingenieure und der steigenden Begeisterung junger Menschen für ingenieurwissenschaftliche Studiengänge waren eine gelungene Abwechslung.

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Von Lisa Schneider | Präsentiert von VDI Logo
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