15.03.2013, 13:59 Uhr | 0 |

Familiengipfel Recht auf Vollzeit ist für die Wirtschaft kein Thema

Arbeitskonzepte zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie gibt es, ihre Ausgestaltung bleibt allerdings dem "Goodwill" jedes einzelnen Arbeitgebers überlassen. Daran ändert auch der von der Bundesregierung einberufene Familiengipfel nichts.

Bei Bosch bewegt sich was. Was sich anhört wie ein belangloser Werbeslogan, enthält tatsächlich Futter. Im Stuttgarter Konzern, wo man jahrzehntelang glaubte, allein Tradition und Name reichten für eine gute Außenwirkung, geht man seit einigen Jahren neue Wege. Bosch könnte auch dank des großen Bekanntheitsgrades Vorbote einer neuen Unternehmens- und Arbeitskultur sein – zumindest für Großunternehmen.

Neue Unternehmensleitlinien sollen sich den neuen gesellschaftlichen Entwicklungen anpassen. So werden Bosch-Mitarbeitern seit 2012 sogenannte Familienzeiten als Karrierebausteine angeboten, die etwa einen Auslandsaufenthalt ersetzen.

Die Familie als Karrieresprungbrett – das ist nun wirklich ein neuer Weg, um die nächste Hierarchieebene zu erklimmen. Der bereits im vergangenen Jahr zum familienfreundlichsten Unternehmen Deutschlands gekürte Technikkonzern setzt damit die "wertvolle Lebenserfahrung", eine Familie zu gründen, auf eine Stufe mit anderen während der Arbeitszeit erzielten Sozialkompetenzen.

Weitere Boschbausteine sind auch anderen Unternehmen bekannt: Mütter und Väter können von zu Hause aus arbeiten, wenn das Kind krank ist oder eine Führungskraft kann in Teilzeit tätig sein, um Angehörige zu pflegen. "Bereits heute bietet Bosch seinen Beschäftigten über 100 Arbeitszeitmodelle, von Jobsharing über Teilzeit in unterschiedlicher Stundenzahl bis hin zum Arbeiten von zu Hause", heißt es in der Bosch-Pressemitteilung.

Lob erhalten die Schwaben nicht nur aus dem Arbeitgeberlager, auch die Grünen sind angetan. "Es ist ein gutes Signal, wenn einzelne Firmen mit familienfreundlichen Arbeitszeiten vorangehen", sagte Grünen-Familienexpertin Katja Dörner dem Handelsblatt. Erwerbstätige Eltern dürften jedoch nicht dem "Goodwill ihrer Arbeitgeber" ausgeliefert sein, es bedürfe Gesetze, speziell auch für ein Rückkehrrecht auf Vollzeitstellen nach der Elternzeit.

Das aber lehnen die Arbeitgeber strikt ab, wie sie anlässlich des "Familiengipfels" der Bundesregierung am Dienstag verkündeten. "Weitere gesetzliche Reglementierung durch einen neuen Anspruch auf Arbeitszeitverlängerung für Teilzeitbeschäftigte ist überflüssig", betonte die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in einer Erklärung. "Ein Anspruch, jederzeit ohne Rücksicht auf die betrieblichen Möglichkeiten von Teil- auf Vollzeit zu wechseln", ist laut BDA unerfüllbar.

Unfreiwillige Teilzeit sei nicht die Regel, sondern die Ausnahme. "Nur jeder fünfte Teilzeitbeschäftigte möchte länger arbeiten", erklärte die BDA. Der häufigste Grund für einen Teilzeitjob seien unzureichende Kinderbetreuungsmöglichkeiten. "Der beste Weg, unfreiwillige Teilzeit abzubauen, ist der Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen."

Während Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) sich für das Recht auf Rückkehr auf eine Vollzeitstelle stark machen will, gab es dafür von ihrer Chefin beim Familiengipfel keine konsequente Rückendeckung. "Einheitslösungen" hält Bundeskanzlerin Angela Merkel für falsch, sie wünscht sich von den Arbeitgebern aber, dass sie "offen seien für die Wünsche der Arbeitnehmer".

Ebenso wie Kristina Schröder bemängelt auch SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles die Präsenzkultur in vielen Unternehmen. "Diejenigen zählen viel, die lange im Büro bleiben und Überstunden schieben. Die, die vielleicht 30 Stunden sehr produktiv arbeiten, werden dagegen karrieretechnisch zurückgestellt", sagte Nahles dem rbb-Inforadio.  bo/dapd/ws

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Von Bo/dapd/Wolfgang Schmitz | Präsentiert von VDI Logo
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