02.05.2013, 16:39 Uhr | 0 |

Ingenieurdienstleister "Ingenieurmangel ist ein sehr differenziertes Thema"

Rund 1000 freie Positionen gibt es derzeit beim Ingenieurdienstleister Ferchau, sagt Geschäftsführer Frank Ferchau. Das Unternehmen biete, so Ferchau, faire Entlohnung, Sicherheit, interessante Projekte und Chancen zur Qualifizierung.

Frank Ferchau
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Frank Ferchau, Geschäftsführer des gleichnamigen Ingenieurdienstleisters, hat derzeit 1000 offene Stellen für Ingenieure.

Foto: Ferchau

VDI nachrichten: Herr Ferchau, spüren Sie in Ihrem Unternehmen aktuell einen Mangel an Ingenieuren?

Ferchau: Unser Unternehmen hat derzeit knapp 1000 offene Positionen für Ingenieure bei knapp 5500 Beschäftigten. Der Mangel ist aber nicht so plakativ zu verstehen, dass jeder Interessent, der sich bei uns bewirbt, auch eingestellt wird. Ein Bewerber muss passen: von der Qualifikation, von der Bereitschaft, sich in Projektstrukturen einarbeiten zu wollen. Ingenieurmangel ist ein sehr differenziertes Thema bei 1000 offenen Positionen.

Bewerben sich auch arbeitslose Ingenieure bei Ihnen?

Dazu liegen uns keine Zahlen vor. Heute bewerben sich Kandidaten, indem sie sich posten. Daraus geht nicht hervor, ob jemand keinen Job hat oder sich aus Beschäftigung bewirbt.

Ferchau hat im vergangenen Jahr einen Tarifvertrag mit der IG Metall geschlossen, der sich am Branchentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie Nordrhein-Westfalen orientiert. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Das lässt sich noch nicht sagen, da er erst zum 1. Juli in Kraft treten wird. Dieser Tarifvertrag ist für die Mitarbeiter aber ein Signal in Zeiten der Unsicherheit, weil es keine unterschiedliche Entlohnung von Projekt zu Projekt gibt, sondern eine verlässliche Entlohnungsbasis unabhängig von Zeit, Ort und Projekt.

Bei vielen Unternehmen der Branche ist es so, dass Mitarbeiter in projektfreien Zeiten bei der Entlohnung zurückfallen. Auf diese Weise wird ein Teil des Arbeitgeberrisikos, nämlich für Projekte und damit für eine konstante Entlohnung der Beschäftigten zu sorgen, auf diese verlagert. Ich persönlich halte das für fragwürdig.

Für Kunden wird Ihre Dienstleistung erst mal teurer.

Aufgrund der Ingenieurknappheit steht Ferchau schon immer für marktfähige Gehälter. Die Forderung nach gleicher Bezahlung kam daher auch nicht aus der Engineering-Dienstleistung. Selektiv kann es ab dem 1. Juli noch zu leichten Aufschlägen für Kunden kommen. Entscheidend ist jedoch: Die Kunden bekommen mehr Planungssicherheit, der Verwaltungsaufwand wird geringer.

Wie beurteilen Sie die Debatte um die Regulierung von Werkverträgen?

Werkverträge werden vielfach als Ventil benutzt, um die jetzt entstandenen Regularien bei der Arbeitnehmerüberlassung zu umgehen. Ferchau bietet mit dem Tarifvertrag dem Kunden die Gewähr, immer auf der sicheren Seite zu sein. Denn die unterschiedlichen Vertragsarten sind bei Ferchau kein Entlohnungskriterium. Als Marktführer wollen wir dabei auch Zeichen setzen.

Was bieten Sie ihren Beschäftigten an?

Wir haben analysieren lassen, was einen attraktiven Arbeitgeber auf dem Gebiet des Engineering ausmacht: Dazu gehören neben einer fairen Entlohnung und Sicherheit vor allem interessante Projekte, Chancen zur Qualifizierung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das setzen wir so um.

Konkret?

Wir haben Karrierewege mit klaren Anforderungsprofilen erarbeitet. Die führen über verschiedene Projektleitungsfunktionen bis zur Leitung eines Technischen Büros. Die konzerneigene Academy bietet Seminare, nicht nur für technische Aufgaben, sondern auch für Rhetorik, Präsentation oder Bilanzanalyse. Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern, kooperiert Ferchau mit der Arbeiterwohlfahrt bei der Betreuung von Kindern unserer Mitarbeiter. Darüber hinaus haben wir zahlreiche Maßnahmen zur Förderung des Dialogs mit unseren Mitarbeitern in die Wege geleitet.

Werden diese Angebote von den Mitarbeitern angenommen?

Ja – z. B. die Seminare, die wir anbieten, sind durchweg gut besucht und bekommen sehr gute Feedbacks. Für das Development-Programm, das die fachliche und persönliche Entwicklung von Mitarbeitern hin zu Führungskräften zum Ziel hat, haben sich jedoch bislang erst knapp 100 Teilnehmer angemeldet. Nun ist dieses Programm erst im vergangenen Jahr angelaufen, dennoch könnte ich mir mehr Engagement vorstellen.

Manchmal bleiben Ihre Mitarbeiter bei Kundenunternehmen. Ist das gut oder schlecht für Sie?

Das sehen wir mit einem lachenden und mit einem weinenden Auge. Einerseits verlieren wir einen Mitarbeiter, andererseits gewinnen wir vielleicht einen neuen Kunden mit dem Unternehmen, in dem unser ehemaliger Mitarbeiter jetzt beschäftigt ist. Wichtig für uns ist, dass Ferchau in guter Erinnerung bleibt als ein Unternehmen mit hoher Kompetenz und klar strukturierten Prozessen.

Wie groß ist der Markt für Ingenieurdienstleistungen in Deutschland?

Das wüsste ich selbst gerne. Über den Markt gibt es wenig statistische Angaben. Die Anzahl der Beschäftigten in der Engineering-Dienstleistung dürfte, einschließlich der zahlreichen kleinen Ingenieurbüros, grob geschätzt und ohne Anspruch auf Vollständigkeit, bei rund 100 000 liegen.

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Von Hartmut Steiger | Präsentiert von VDI Logo
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