08.08.2013, 14:49 Uhr | 0 |

Schnelle Hilfe Dresden eröffnet "Welcome Center" für ausländische Fachkräfte

Mit einem "Welcome Center" will die Stadt Dresden im Wettbewerb um die besten Köpfe punkten. Anfang Juli öffnete der "VIP-Service" in der Nähe des Zwingers, in dem Fachkräfte und Wissenschaftler vom Doktoranden aufwärts künftig möglichst viele hoheitliche Leistungen aus einer Hand bekommen sollen. Innerhalb von höchstens vier Wochen sollen die Neu-Dresdner und ihre künftigen Arbeitgeber Gewissheit darüber haben, ob sie in der sächsischen Landeshauptstadt bleiben und arbeiten dürfen.

Welcome Center
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Mit einem "Welcome Center" will die Stadt Dresden ausländischen Fachkräften die zahlreichen Behördengänge ersparen. Nach vier Wochen hat das Center alles erledigt, so das Versprechen.

Foto: TU Dresden

Rund 3100 Spezialisten und Forscher gehören zum Kundenkreis der Sonder-Sachbearbeitung durch das Bürgeramt. Allein im vergangenen Jahr meldeten sich etwa 700 hoch qualifizierte Neuankömmlinge an, die an der Exzellenz-TU oder bei einem der in Dresden ansässigen Forschungsinstitute und Unternehmen arbeiten wollten.

Ganz neu ist die Sonderbehandlung der besonders begehrten Neu-Bürger nicht. Schon seit 2003 gibt es intern feste Ansprechpartner für Unternehmen, und das Zuwanderungsgesetz aus dem Jahr 2005 benennt die Ausländerbehörde als zentralen Ansprechpartner für Migranten. Diese Behörde koordiniert seitdem quasi hinter den Kulissen die Zusammenarbeit mit anderen Ämtern wie der Agentur für Arbeit oder der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Agentur für Arbeit.

Behörden, die nicht antworten, stimmen zu

Auf eine Initiative des Landes Sachsen hin beteiligt sich die Stadt Dresden seit September 2011 am Projekt Akzess, das mittlerweile auch auf Chemnitz und Leipzig ausgedehnt worden ist. Das Akronym steht für "Ausländische Fachkräfte-Zuwanderung effizient und sensibel steuern". Kern von Akzess ist das an Fachkräfte gerichtete "Qualitätsversprechen", dass Antragsteller binnen vier Wochen Gewissheit über ihren Aufenthaltstitel haben. "In 95 % aller Fälle klappt das auch, über 2000 Titel wurden seit dem Projektstart allein in Dresden vergeben", berichtet die Leiterin des Bürgeramtes, Ingrid van Kaldenkerken.

Zur Beschleunigung der Entscheidung beigetragen hat auch die "Zustimmungsfiktion" nach der neuen Beschäftigungsverordnung für Ausländer: Muss die Bundesagentur für Arbeit der Erteilung der Arbeitsgenehmigung zustimmen, dann gilt diese Zustimmung nach zwei Wochen als erteilt, sofern nicht innerhalb dieser Frist zusätzliche Informationen angefordert werden. Mit dem Umzug in das neue repräsentative Welcome-Center mit Empfangstresen, vier verglasten Back-Offices für die Gespräche mit den Sachbearbeitern, apfelgrünen Sesseln, Kinderspielecke und WLAN-Anschluss im Wartebereich ist der VIP-Service des Bürgeramtes nicht nur optisch aufgewertet worden. Damit sich die Besucher nach dem Prinzip des "One-Stop-Government" möglichst weitere Behördengänge ersparen können, wurden die insgesamt sieben Mitarbeiter des Welcome Centers auch im Melderecht fit gemacht.

Amtssprache bleibt Deutsch

Interkulturelle Trainings und Englischkenntnisse sind zwar für alle Mitarbeiter der Ausländerbehörde ohnehin Pflicht, die Sachbearbeiter im Welcome-Center haben aber bei einem Vertiefungskurs nochmals wichtige Fachbegriffe in der Fremdsprache gelernt. Bei allem, was mit den hoheitlichen Vorgängen, sprich: der Erteilung von Aufenthaltstiteln oder melderechtlichen Angelegenheiten, zu tun hat, ist Englisch allerdings Tabu: "Amtssprache ist Deutsch. Und wenn man in einem hoheitlichen Verfahren Englisch spricht, läuft man Gefahr, etwas Missverständliches und damit rechtlich Problematisches zu sagen", erklärt van Kaldenkerken.

Auf Englisch beraten dürfen die Mitarbeiter des Welcome Centers ihre Kunden allerdings in allen anderen Fragen rund um ihren neuen Wohnort wie zu Kontoeröffnung, Wohnungssuche, Schulbesuch der Kinder oder zu Versicherungen. Zu den Leistungen anderer Stellen und Behörden können die städtischen Angestellten nur den Weg bahnen, indem sie etwa für ihre Kunden Termine beim Eigenbetrieb Kindertagesstätten oder bei der Führerscheinstelle vereinbaren, abnehmen können sie ihnen diese Behördengänge bisher nicht.

Auch das Forschungsnetzwerk Dresden Concept ist in den Räumen des neuen städtischen Welcome Centers mit eigenem Personal vertreten. Die Technische Universität, eines der wichtigsten Mitglieder des Vereins, bemüht sich schon seit 2011 mit einem eigenen "Welcome Center" darum, dass sich internationale Spitzenforscher in "Elbflorenz" wohlfühlen.

Neben den klassischen Leistungen eines Relocation-Services wie Beratung zum Versicherungsschutz, der Unterstützung bei der Eröffnung eines Bankkontos oder der Begleitung bei der Wohnungssuche betreibt der Verein die soziale und interdisziplinäre Vernetzung der ausländischen Wissenschaftler: So stehen z. B. mal Schlauchboot-Fahren, mal der Besuch des Konzentrationslagers Weimar und mal die Kulturgeschichte der Region auf dem Veranstaltungsplan.

Welcome-Center in Dresden, Hamburg und Essen

Dass bei der Konkurrenz um Fachkräfte ein imposanter Empfang mit Vorzugsbehandlung nicht ausreicht, um die begehrten Spezialisten langfristig an einen – wenn auch touristisch attraktiven – Standort zu binden, betonte Oberbürgermeisterin Helma Orosz bei der Eröffnung des (nach einer ähnlichen Einrichtung in Hamburg und Essen) dritten deutschen Welcome Centers: "Die Integration von Menschen anderer Kulturkreise ist nicht nur Aufgabe von Verwaltungsbereichen, Institutionen und Betrieben."

Genauso wichtig sei es, dass sich die Neu-Dresdner in persönlichen Begegnungen beim Einkauf, im Sportverein oder in den Schulen willkommen fühlen. Das ist durchaus noch nicht selbstverständlich. Julia Bialek, als Mitarbeiterin eines Relocation-Services Stammgast im neuen Welcome Center, hat zwar von ihren Kunden noch keine Beschwerden über ausländerfeindliches Verhalten gehört, aber: "Ich weiß, dass sich viele Ausländer Sorgen machen. Sie fragen sich zum Beispiel, ob sie sich abends ohne Gefahr frei bewegen können."

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Von Dagmar Hess | Präsentiert von VDI Logo
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