29.05.2013, 14:05 Uhr | 0 |

Arbeitsmarkt "Das Leben ist dort, wo die Arbeit ist"

Um Spaniern zu helfen, in Deutschland Arbeit zu finden, organisierten die VDI nachrichten in einem ersten Test eine Veranstaltung mit direktem Kontakt zu zwei Unternehmen. Neben dem Kulturunterschied müssen spanische Ingenieure vor allem die Sprachbarriere überwinden.

Spanische Ingenieure zieht es nach Deutschland. Sie hoffen, hier hier einen Arbeitsplatz zu finden.
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Spanische Ingenieure zieht es nach Deutschland. Sie hoffen, hier hier einen Arbeitsplatz zu finden.

Foto: BASF

Als Daniel Cintrano Macían (30) am Morgen des deutschen Ingenieurtages das VDI-Haus betritt, ist er über 2000 km von Frau und Familie in Málaga entfernt. "Das Leben ist dort, wo es Arbeit gibt", begründet er seine weite Reise. Für ihn ist der Weg ins Ausland der einzig richtige: "In den drei Wochen, die ich in Deutschland bin, hatte ich schon mehr Vorstellungsgespräche, als in Spanien in den letzten vier Monaten."

Im Rahmen des Ingenieurtages Mitte Mai luden die VDI nachrichten erstmals spanische Ingenieure nach Düsseldorf ein. Drei deutsche Unternehmen präsentierten sich, um aus dem Pool von 24 Ingenieuren zukünftige Mitarbeiter zu rekrutieren.

Dabei waren die Veranstalter von der großen Teilnehmerzahl überrascht. "Wir haben mit etwa 15 Teilnehmern gerechnet", erklärt Ulrike Gläsle, Marketingleiterin des VDI Verlages. "Zur Veranstaltung sind 24 Spanier gekommen. Die Nachfrage war größer, als die Kapazitäten, die wir anbieten konnten."

Fürsprecher voran: In Spanien wird Lebenslauf über einen Freund geschickt

Neben Gesprächsrunden mit Technologie-Dienstleister Salt and Pepper sowie Support-Dienstleister Cenit stand ein Vortrag zur formgerechten und aussagekräftigen Bewerbung bei deutschen Firmen auf dem Programm. "Man hat mir gesagt, in Spanien sei es üblich, den Lebenslauf über einen Freund zu schicken, der in der Firma arbeitet. Deutschland ist bekanntlich formaler, da muss man ihn direkt an die Firma senden", erklärt Alexandra Schuwerack, HR-Manager bei Eon Climate & Renewables.

Das sind Neuigkeiten für die südeuropäischen Gäste. Entsprechend gespannt sind die Blicke auf Alexandra Schuwerack. Es wird die einzige Rede bleiben, die auf spanisch gehalten wird. Der Rest ist entweder Englisch, das meiste jedoch Deutsch.

Auf der Prioritätenliste der Jungingenieure für die nahe Zukunft steht die deutsche Sprache an erster Stelle. Auch bei Maria del Mar López Ballesteros (23), die erst Anfang dieses Jahres ihr Studium als Bauingenieurin abgeschlossen hat. In einem Auslandssemester in Österreich habe sie schon ein paar Wörter gelernt, aber meistens sei Englisch gesprochen worden. Mittlerweile hat sie sich im Intensivkurs Deutsch immerhin auf das "Niveau B1" (selbstständige Sprachverwendung) hochgearbeitet.

Deutsche Sprache Voraussetzung für erfolgreiche Anstellung

Die deutsche Sprache ist mehr als nur ein netter Pluspunkt für die spanischen Bewerber, sondern Voraussetzung für erfolgreiche Anstellung. "Vorstellungsgespräche beginnen immer auf Deutsch, um die Sprachkenntnisse zu testen", berichtet Daniel Cintrano Macían.

"Die Leute müssen gut Deutsch können, sonst sind sie nicht geeignet für uns", bestätigt Holger Vetterlein, Geschäftsstellenleiter bei Cenit. Die reibungslose Kommunikation im Team sei sehr wichtig. Die spanischen Ingenieure stellten sich entsprechend auf Deutsch vor.

Die Mühe für Spanier, Deutsch zu lernen, lohnt sich. "Der deutsche Ingenieurmarkt ist abgegrast", sagt Vetterlein. Außerdem wolle seine Firma eine Zweigstelle in Madrid oder Barcelona eröffnen, und da böten sich die spanischen Ingenieure an.

Spontaner Einfall

Die Idee, eine Veranstaltung extra für Spanier zu machen sei, so Ulrike Gläsle von den VDI nachrichten, spontan umgesetzt worden. Am Bonner Recruitingtag im März sei ihrem Team eine Gruppe Spanier aufgefallen. "Sie waren gerade in Deutschland angekommen", erinnert sich die Marketingleiterin. "Passenderweise suchten gerade auch Unternehmen spanische Ingenieure."

Jürgen Rizzo vom VDI Verlag zieht ein positives Resümee. "Neun Leute haben bereits ein Treffen zugesagt bekommen", freut er sich, zu dem sie nicht, wie sonst oft praktiziert, erst drei Monate nach der Bewerbung eingeladen wurden.

Rizzo hofft, dass möglichst viele eingestellt werden, denn er zeichnet den Ingenieurmarkt anders als Vetterlein: "An Absolventen mangelt es uns in Deutschland nicht." Das Arbeitsplatzangebot variiere je nach Sparte. Die Automobilbranche halte sich bei der Bewerbersuche gerade sehr zurück. "Während die Besucherzahl auf den Jobmessen steigt, sinkt die Ausstellerzahl."

Mit dieser Entwicklung werden sich auch die spanischen Ingenieure befassen müssen. Auf die Frage, ob sie ihre Heimat vermisse, entgegnet die 23-jährige Maria del Mar López Ballesteros jedoch strahlend: "Nein, ich war schon immer eine Abenteurerin. Außerdem gefällt mir der deutsche Lebensrhythmus."

Auch Daniel denkt daran länger zu bleiben: "Meine Freundin hat gesagt sie kommt nach Deutschland, wenn ich Arbeit finde." Am liebsten hätte er schon morgen einen Job, da auch die Ersparnisse für die Jobsuche nur begrenzt halten. 

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Von Fabian Kurmann | Präsentiert von VDI Logo
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