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18.05.2012, 11:56 Uhr | 0 |

Interview zu Automatisierungstechnik "An erster Stelle steht Effizienzsteigerung"

Team- und Kommunikationsfähigkeit sind nach Ansicht von Volker Nestle, Leiter des Forschungsteams Microsystems bei Festo, die wichtigsten persönlichen Kompetenzen für Ingenieure in der Automatisierung. Typische Aufgaben für Ingenieure auf diesem Gebiet sind Entwicklung und Konstruktion. Festo bietet Automatisierungstechnik auf Basis pneumatischer und elektrischer Antriebe und Systeme an.

VDI nachrichten: Herr Nestle, warum haben Sie sich beruflich der Automatisierung verschrieben, was reizt Sie an diesem Thema?

Nestle: Es war eindeutig die Technologievielfalt, die in diesem Thema steckt. In der Automatisierungstechnik kann man ingenieurwissenschaftliche Inhalte in Zusammenhang bringen, lernt sie dadurch zu verstehen und in Kombination anzuwenden. In unterschiedlichen Zielbranchen gibt es zahlreiche Anwendungsfelder für die Automatisierung, bestehende im klassischen Maschinenbau, neue in der Solarzellenfertigung. Diese Vielfalt und die Tatsache, dass immer neue Anwendungsfelder hinzukommen, sind weitere wichtige Gründe dafür, dass ich sehr zufrieden bin mit meiner Berufswahl.

Um was geht es bei der Automatisierungstechnik?

Es geht darum, den Menschen im Produktionsprozess zu unterstützen und ihn sein gesamtes Umfeld produktiver gestalten zu lassen. Ein wichtiges Ziel der Automatisierungstechnik ist die Effizienzsteigerung, beispielsweise in Produktionsprozessen.

Und das wohl möglichst kostensparend und ressourcenschonend?

Die Kostenreduzierung steht natürlich in direktem Zusammenhang mit Effizienzsteigerung, ebenso die Schonung von Ressourcen. Dies und die steigende Sensibilität für Ressourcen- und Energieeffizienz sind ein starker Innovationstreiber in der Automatisierung. Wir richten unsere Angebot auf diese Megatrends aus. Spannend ist es mitzuerleben, wie solche Trends Innovationen in einem so etablierten Feld wie der Automatisierungstechnik vorantreiben.

Wie hoch ist das Potenzial, das diese Technik dann noch bietet?

Wir haben hier in Deutschland schon einen sehr hohen Automatisierungsstand in der Produktion erreicht. Aber insbesondere die weitere Flexibilisierung der Produktion in adaptiven Produktionssystemen stellt uns vor technologische Herausforderungen. Einsparungspotenziale gibt es etwa in der Minimierung von Umrüstzeiten in flexiblen Produktionssystemen, die auf unterschiedliche Aufgaben und Stückzahlen adaptiert werden können. Das erfordert, dass wir uns mit Produktionssystemen im Ganzen beschäftigen.

Wie viele Ingenieure beschäftigt Festo?

Wir sehen uns weltweit als Impulsgeber der Industrieautomatisierung und als solcher brauchen wir viele gut ausgebildete Ingenieure. Von den 7000 Mitarbeitern allein in Deutschland hat etwa jeder Fünfte ein Ingenieurstudium abgeschlossen. Rund 800 Beschäftigte sind in Forschung und Entwicklung tätig. Tendenz steigend.

Was sind typische Aufgaben für Ingenieure in der Automatisierungstechnik bei Festo?

Beispielsweise Entwicklung und Konstruktion. Um sich diese Aufgaben vorstellen zu können, hilft es, sich die mechatronische Pyramide ins Gedächtnis zu rufen. Sie enthält auf der untersten Ebene Basisfunktionalitäten aus dem Bereich der Sensorik und Aktorik, die in intelligente Komponenten integriert werden. Auf höheren Aggregationsstufen werden diese Komponenten in komplette Produktionssysteme integriert. Hier werden andere Anforderungsprofile notwendig. Sinnvollerweise müssen die Entwickler entlang der mechatronischen Pyramide kooperieren.

Mit welcher Konsequenz für die Beschäftigten?

Ingenieure in der Automatisierung brauchen eine breite Wissensbasis. Auch ein Entwickler von Basistechnologien muss wissen, wo die möglichen Anwendungsfelder sind. Ebenso muss derjenige auf der Systemebene sich mit Basistechnologien auskennen.

Welche Ingenieurdisziplinen sind in der Automatisierungstechnik gefragt?

Das sind Maschinenbauer, Feinwerktechniker, Mechatroniker, Elektrotechniker und Kybernetiker. Je mehr man sich der Systemebene nähert, umso wichtiger wird der interdisziplinäre mechatronische Ansatz. Zunehmend an Bedeutung gewinnen auch die Themen Energiemanagement und Kommunikationstechnologien aus der Informatik.

Was sind typische Aufgaben für Ingenieure in der Automatisierung?

Ein großer Bereich ist die Konstruktion, ebenso Elektrotechnik mit Schaltungsentwurf und Programmierung. In einem oder mehreren dieser Bereiche sollten fachliche Skills vorhanden sein.

Welche persönlichen Skills sind unerlässlich, um als Ingenieur in der Automatisierung glücklich zu werden?

Ganz wichtig sind Team- und Kommunikationsfähigkeit aufgrund des komplexen Anwendungsfeldes. In den heterogenen Teams muss sich jeder in seiner Disziplin auskennen, aber auch verstehen, was der andere macht, um konstruktive Kritik äußern zu können. Diese Netzwerkfähigkeiten brauchen wir für die effizienten, flexiblen und adaptiven Produktionssysteme der Zukunft.  

Von Peter Ilg | Präsentiert von VDI Logo
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